Ein Bypass für die Talsperre Klingenberg
Sanierung. 1914 wurde
die Talsperre Klingenberg zum ersten Mal gefüllt. Nun bekommt sie eine
Generalüberholung.
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Franz Herz
Wer außergewöhnliche
Spaziergänge liebt, kann sich auf das Jahr 2008 freuen. Dann kann er auf dem Grunde
der Talsperre Klingenberg wandern, ganz ohne Taucherausrüstung. Die geplante
Sanierung der Sperre erreicht dann ihren Höhepunkt, und der Stausee steht
Anfang 2008 leer. Jetzt laufen die Vorbereitungen auf vollen Touren. Dieses
Jahr beginnt der erste von drei Bauabschnitten.
Die Talsperre
Klingenberg, Trinkwasserreservoir für 600 000 Menschen, kann nicht einfach abgestellt
werden. Deswegen bekommt sie eine Art Bypass. Ein Stollen wird bergmännisch von
der Vorsperre an dem Hauptbecken vorbei durch den Berg getrieben und endet nach
der Staumauer. Damit verfolgen die Planer zwei Ziele, erklärt Karl Dybek,
Leiter der Talsperrenmeisterei Gottleuba-Weißeritz: "Während der
Hauptbauzeit, wenn die Sperre Klingenberg leer ist, leitet er das Wasser von
der Vorsperre an der Baustelle vorbei. Später wird er bei extremem Hochwasser das schmutzige Wasser an dem Trinkwasserreservoir vorbei führen.
Das sichert die Qualität der Wasserversorgung." Derzeit läuft die
europaweite Ausschreibung für die Stollenarbeiten. Schätzungen rechnen für den
Umleitungsstollen mit bis zu 18 Millionen Euro Baukosten.
Ende dieses Jahres soll
der zweite Abschnitt, der Neubau der Vorsperre, beginnen. "Die Mauer dort
wird abgetragen und völlig neu wieder aufgebaut", sagt Dybek. So werden
letzte Hochwasserschäden aus dem August 2002 beseitigt. Ende 2007 sollen die
Arbeiten fertig sein. In dieser Zeit sinkt dann der Wasserspiegel der
Klingenberger Sperre. Es wird drei, vier Monate dauern, bis sie voraussichtlich
zu Neujahr 2008 völlig leer sein wird.
Eine Reserve wurde schon
geschaffen, wenn ausgerechnet in der Bauzeit das Wasser knapp werden sollte.
Die Landestalsperrenverwaltung hat die dann erforderliche Überleitung aus der
Talsperre Rauschenbach über Lichtenberg nach Klingenberg schon 2003 in Betrieb
genommen. "Wir hoffen aber auf durchschnittlich nasse Jahre und keine
Trockenheit", sagt Dybek.
In der dritten Bauphase
ab 2008 wird die Staumauer saniert und modernisiert. Sie bekommt einen neuen
Kontrollgang, die Betriebseinrichtungen werden erneuert, der Untergrund neu
abgedichtet. Die Arbeiten ziehen sich über zwei, drei Jahre hin. So lange
bleibt die Sperre nicht trocken. Schon 2008 beginnt teilweise der
Wiedereinstau. Mit Gesamtkosten von rund 60 Millionen Euro rechnet die Talsperrenverwaltung.
"Dann soll die Talsperre wieder 80 bis 100 Jahre ihren Dienst tun",
wünscht sich Dybek. Auf außergewöhnlich viele Spaziergänger während der Bauzeit
ist er eingestellt. "Wir rechnen mit dem Zustrom von Schaulustigen. Es
sind dann auch Führungen vorgesehen", sagt er.
Die Geschichte
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1908 bis 1914 baut die
Weißeritz-Talsperren-Genossenschaft die Talsperre mit staatlicher
Unterstützung. Ziele sind die Regulierung der Weißeritz, Stromerzeugung und
Trinkwasserversorgung Freitals und Dresdens.
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1926 bis 1931 wird die
Talsperre Lehnmühle errichtet.
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1928 übernimmt der
Freistaat Sachsen die beiden Talsperren Malter und Klingenberg von der
Genossenschaft.
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1948 bis 1950 werden in
Röthenbach und Hennersdorf je ein Vorbecken angelegt.
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1953 bis 1954 wird die
Vorsperre in Klingenberg angelegt.
Drei Teile der Sanierung
- Ein Stollen wird von der Vorsperre
neben der Talsperre vorbei bergmännisch vorangetrieben. Die Arbeiten
werden jetzt ausgeschrieben, sie sollen im Spätsommer 2005 beginnen und
kosten voraussichtlich 15 bis 18 Millionen Euro.
- Ende 2005 wird die Vorsperre neu gebaut,
die durch das Hochwasser 2002 beschädigt wurde. Sie stellt wähnend, der
Hauptsperrensanierung das Trinkwasser bereit.
- Der Umleitungsstollen muss fertig
sein, dann wird 2007 die Talsperre abgelassen und ab 2008 die Staumauer in
Stand gesetzt.
Pressemitteilung der Spiekermann Beratende Ingenieure
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